Machen extravagante Sozialleistungen Arbeitgeber attraktiver?

Im High Tech Zeitalter überschwemmen provokative Incentives von sehr bekannten Unternehmen aus dem Silicon Valley die HR Landschaft in Deutschland. Laut einem Artikel aus dem Wirtschaftsmagazin Brand eins 06/13 (http://www.brandeins.de/) warten Unternehmen wie Eventbrite, Google oder sogar SAP mit besonderen freiwilligen unentgeltlichen Zusatzleistungen auf, welche so manches Kleinunternehmen in Deutschland aufschrecken würde. So können sich hochqualifizierte Mitarbeiter im Silicon Valley an Yogakursen, kostenlosem Essen, Schlafräumen, Einkaufsservices, Gemüsegärten, oder über luxuriöse vom Arbeitgeber bezahlte Ausflüge erfreuen. Doch machen solche Incentives ein Unternehmen attraktiver? Oder aber, machen solche Sozialleistungen einen Mitarbeiter glücklicher? Ich denke ja, aber die Frage scheint falsch gestellt zu sein, denn auch ein umsorgter Mitarbeiter muss nicht der Effektivste sein, vor allem dann nicht wenn er sich unterfordert oder vom Chef schlecht behandelt fühlt.gymnastik

Wenn wir uns die freiwilligen Sozialleistungen von der Human Kapital Perspektive anschauen, so muss man feststellen, dass nur sorgfältig ausgewählte und zielgerichtet Programme wirklich die Leistungsfähigkeit und das Betriebsklima verbessern können. Bisher konnte ich beispielsweise nicht feststellen, dass sich ein Mitarbeiter beschwerte, weil er für das Kantinenessen bezahlen musste. Auf der anderen Seite hatte ich bisher nicht den Eindruck, dass Kollegen welche auf Workshops gratis Mittagessen bekamen, effektiver arbeiteten oder gar zufriedener waren. Die Kollegen, welche Workshops als effektiver wahrnahmen, waren diejenigen, die sich inhaltlich herausgefordert fühlten und etwas Neues mitnehmen konnten.

Grundlegend können Incentives als ein Teil der extrinsischen Motivation nicht den Hauptbestandteil der Bindung von Mitarbeiter darstellen. Vielmehr ist eine ausgewogene Balance zwischen intrinsischen und extrinsischen Faktoren zu berücksichtigen.

Ein Mitarbeiter welcher vollste Zufriedenheit in seinem Aufgabenbereich empfindet, wird auch bei fehlenden Incentives nicht unbedingt das Unternehmen verlassen, oder anders: Ein Chef der jemanden unfair behandelt, kann die daraus resultierende Unzufriedenheit nicht mit einem kostenlosen Mittagessen ausgleichen.

Aber wenn eine höhere Produktivität durch Yogakurse oder Gratisessen nicht erzwungen werden kann, warum bieten Unternehmen so etwas überhaupt an? Ich denke es gibt hier zwei Antworten. Einerseits können diese Incentives ein Teil eines zielgerichteten Programmes sein, wie zum Beispiel einem nachhaltigem Gesundheitsmanagement, und ermöglichen daher doch die Förderung der Produktivität eines Mitarbeiters (zum Beispiel weniger Arbeitsunfähigkeiten aufgrund von Rückenleiden, durch den gezielten Einsatz von Physiotherapeuten und Rückenschulen).

Physiotherapy: Physiotherapist examining senior man

Andererseits pflegen die Arbeitgeber dadurch aktiv ihr Arbeitgeber Image, und machen provokativ auf sich aufmerksam. Provokativ und in der Öffentlichkeit platzierte Versprechungen von besonderen freiwilligen Sozialleistungen wie unbegrenztem Urlaub oder Schlafräumen generieren Interesse bei potenziellen Bewerbern und erhöhen dadurch die Bewerberdichte. Auch wenn ich diese zum Teil neuen Ansatzpunkte von freiwilligen Sozialleistung etwas exotisch finde, wird hier ein Trend deutlich, trotz der täglich propagierten Work-Life Balance, verschmilzt zunehmend die Freizeit mit der Arbeit.

Zu guter letzte möchte ich noch ein paar Ideen für provokative Incentives anstoßen, welche von Ihnen gerne ergänzt bzw. diskutiert werden können:

  • Bestimme selber wie viel du für deine Arbeit verdienst
  • Bestimme selber was du arbeitest / Oder arbeite was du möchtest, Hauptsache du trägst zur Wertschöpfung bei
  • Arbeite von Wo du möchtest
  • Arbeit ohne Vorgesetzte
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7 Gedanken zu “Machen extravagante Sozialleistungen Arbeitgeber attraktiver?

  1. Kay Koch schreibt:

    Ich könnte mir auch vorstellen, dass auch der Gift-Exchange Ansatz von Akerlof eine Rolle spielt. „Geschenk“ zusätzlicher Sozialleistungen gegen „Geschenk“ höhere Produktivität. Also dass es nicht in erster Linie um die Neugewinnung geht, sondern die Effizienz der Arbeitnehmer.
    Hast du bestimmt schon mal gehört, aber falls nicht lohnt es sich, sich da einzulesen.

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