Candidate Experience bei Matching Plattformen: Talents Connect im Test

Candidate Experience ist ein Wort, welches in letzter Zeit häufig genutzt wird. Unternehmen sollten ihren Bewerbungsprozess so gestalten, dass Bewerber sich schnell und einfach bewerben können und sich während des gesamten Bewerbungsprozesses wohl fühlen. Die positiven Nebeneffekte bestehen dann darin, dass abgesagte Bewerber trotzdem ein positives Image vom Unternehmen behalten: sozusagen ein perfektes Employer Branding. Nun schießen meiner Meinung nach immer mehr Plattformen aus dem Boden, die den ersten Bewerbungsschritt der „Ansprache“ vereinfachen, sich für Active Sourcing eignen und sich auf mobile Plattformen  behaupten wollen. Doch auch hier gibt es eine Candidate Experience. Von der Unternehmensseite konnte ich erste Erfahrungen mit Azubiyo.de machen, aber im Zeichen der Candidate Experience sollten wir solche Plattformen aus Sicht des Bewerbers betrachten. Talents Connect ist eine dieser besagten Plattformen. Eine Absolventin ist auf Jobsuche und hat Talents Connect für mich im Sinne von Candidate Experience getestet. Mal sehen wie die Erfahrung so war.

Talents Connect ist eine Plattform, welche mit intelligentem Matching von Stellen mit Bewerbern wirbt. Dabei liegen die Vorteile, in einer schnellen Job-Empfehlung, im Matching zwischen Persönlichkeit und Job, der Smartphone-Kompatibilität und der kostenlosen Anmeldung für Bewerber. Außerdem wurde die Zielgruppe vom Unternehmen nicht nur auf Schüler oder Studenten begrenzt, sondern jeder der eine Stelle sucht, kann sich anmelden. Talents Connect verspricht dabei mit 3 Schritten innerhalb von ca. 20 Minuten (1. Schritt: 5 Min, 2. Schritt: 5 Min, 3. Schritt: 10 Min) sich angemeldet und alle Daten eingegeben zu haben, und danach mit nur einem Klick sich bewerben zu können. Doch ist das realistisch? Eine ernstgemeinte Bewerbung in nur 20 Minuten zu erstellen? Meine Erwartung ist hoch, vielleicht kann man ja mit wenigen Schritten seine Dokumente hochladen und das System übernimmt die Daten automatisch, oder man logt sich mit seinem LinkedIn oder Xing Profil ein, schließlich hat man dort ja schon alle möglichen Angaben gemacht? Ich bin gespannt, also los geht’s.

Bild: Bewerber vor dem Laptop

Wir starten und meine Testbewerberin will sich mit ihrem Laptop registrieren. Die Abgabe der ersten Daten klappt schon ganz flink und nach der Erstellung des Passworts bekommt man sehr schnell eine Bestätigungs-Email zugeschickt. Doch dann fangen die ersten Schwierigkeiten an, der Login klappt nicht. Nach ca. 5 Minuten und mehrfachen vergeblichen Versuchen das Login Fenster zu öffnen, ändern wir unsere Strategie. Schließlich ist die Plattform ja für Smartphones geeignet, also loggen wir uns mit dem Smartphone ein, und es klappt. Als erstes muss die Bewerberin Daten, wie Wunscharbeitszeit, Verteilung und Arbeitsort angeben. Dabei schon mal positiv anzumerken, mit dem Smartphone geht das echt super und schnell, sowie sehr modern. Die ersten 5 Minuten gehen schnell vorbei, doch dann wird es schwieriger. Der Bewerber soll nun detaillierte Angaben über Schulabschluss, Noten, Ausbildung, Studium und Arbeitserfahrungen eingeben. Die erste Reaktion der Bewerberin, ein tiefes Stöhnen, denn ordentlich und viel Text über ein Smartphone einzugeben, kann sehr mühsam sein. Wir entschließen uns also kurzerhand einen weiteren Laptop dazu zu holen und darüber die verschiedenen Formulare zur Eingabe des Lebenslaufs zu nutzen. Wie sich herausstellen wird, war das eine super Entscheidung, denn die Formulare sind an Detailreichtum kaum zu übertreffen und da man als Bewerber einen guten Job finden möchte, wird auch alles ordentlich eingegeben und mit dem schon für andere Bewerbungen vorbereiteten Lebenslauf abgeglichen. Da sich in meinem Beispiel eine  Absolventin bewirbt, hält sich der Aufwand in Grenzen, doch ca. 45 Minuten vergehen, bevor die Formulare ausgefüllt sind. Eine schnelle Upload Funktion, oder eine Verbindung zu Xing, oder LinkedIn sind leider nicht zu finden, trotz dass die Formulare sehr den dortigen Abfragen ähneln. Nun aber weiter im Text, doch was müssen wir dann feststellen …

Nach der einzelnen Eingabe aller Daten können wir nun doch Dokumente wie Lebenslauf, Anschreiben und Zeugnisse hochladen.  Diese werden leider nicht ausgelesen und scheinen nur dafür zu sein, dass dem zukünftigen potenziellen Arbeitgeber alle Dokumente präsentiert werden können. Hätten wir jetzt das Smartphone benutzt, wären wir in Probleme gerutscht, denn wer hat schon sein Leben in PDF oder Word Format auf dem Handy? Meine Testerin nicht, und ich ehrlich gesagt auch nicht.

Naja, aber für einen guten Job tut man halt viel. Also weiter geht es und nachdem nun ca. 50 Minuten vergangen sind, und auch ein ordentliches Bild hochgeladen wurde, kommen die interessanten Persönlichkeitsfragen dran. Für einen Personaler und Recruiter geht hier einem das Herz auf. Die Bewerberin meinte jedoch, sie hat die Fragen so beantwortet, dass sie in einem nach ihrer Meinung guten Licht dasteht. Ganz nach dem Motto: Selbstbewusst, Durchsetzungsfähig und Teamorientiert. (das kennt man aus der typischen Antwort auf die Bewerbungsgesprächs-Frage: Wo sehen Sie Ihre Stärken?).

Nachdem nun noch weitere Angaben gemacht wurden, welche für den weiteren Bewerbungsprozess relevant sind, wie zum Beispiel  Flexibilität, Adresse, Telefonnummer und Geburtsdatum (AGG?) ist die Stunde rum und endlich ist der ersehnte Moment da: Die Plattform errechnet passende Stellen.

Spannung….

Das Ergebnis: Meine durchschnittlich leistungsstarke Absolventin im BWL Bereich in einer Großstadt wohnend, bekommt leider nur eine Stelle mit einem Match von 80 % angezeigt. Die Stelle entspricht leider gar nicht ihren Vorstellungen und innerhalb von wenigen Sekunden hat sie sich ausgeloggt und frustriert den Computer runtergefahren. Ihr Urteil: Ungenügend und Zeitverschwendung. Natürlich baue ich sie auf und weise sie auf die Möglichkeit hin, dass sie von anderen Arbeitgebern angeschrieben werden kann. Daraufhin erheitert sich ihre Stimmung. Mal sehen was in den nächsten Wochen so passiert …

webTextmarkeFoto_FazitFazit: Ich finde die Idee dieser Plattformen immer noch gut, aber leider erschließt sich mir noch nicht die Relevanz und Wirksamkeit des Matchings. Wenn man als Bewerber Zeit investiert, und die Plattform mit ordentlichen Daten füllt, kann man im späteren Verlauf Mühe und Zeit sparen. Jedoch sehe ich den aktuellen Stand der Anzahl an Jobangeboten als noch zu gering an. Hier muss noch wesentlich etwas passieren. Zum Vergleich: mit dem gezeigten Stellentitel im Testergebnis findet man auf Monster.de 128 ähnliche Stellen.

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4 Gedanken zu “Candidate Experience bei Matching Plattformen: Talents Connect im Test

  1. Christian Brand schreibt:

    Hallo Herr Stark,

    vielen Dank, dass Sie Talents Connect ausprobiert haben! Wir freuen uns, dass die Plattform Ihnen aufgefallen ist – und ärgern uns ein wenig über die Login-Probleme, die wir rund ums vergangene Wochenende hatten. Mittlerweile funktionieren Registrierung und Login wieder reibungslos.

    Dass Ihre Testbewerberin nur ein Match erhalten hat, ist wirklich ungewöhnlich. Gerade Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Fächer finden bei uns meist eine große Auswahl, vor allem in Ballungsgebieten.

    Wie wäre es, wenn Sie noch einmal in die Rolle der fiktiven Bewerberin schlüpfen und unsere telefonische Karriereberatung für Berufseinsteiger in Anspruch nehmen? Diese bieten wir allen Nutzern – ganz gleich ob fiktiv oder echt 😉 – an, die keine passenden Matches erhalten. Meistens finden wir dann Wege, unseren Algorithmus besser mit den Wünschen, Zielen und Interessen des Nutzers zu füttern, und so doch noch passende Jobangebote in der Datenbank zu finden.

    Außerdem können Sie auch gerne mal die Perspektive wechseln und Talents Connect aus der Sicht eines Recruiters kennenlernen. Wir bieten dazu eine spezielle Testumgebung an.

    Bei Interesse melden Sie sich gerne bei mir oder bei meinen Kollegen unter: hello[at]talentsconnect.com / 0221 820069 0

    Viele Grüße aus dem Talents Connect Büro in Köln,
    Christian Brand

    PS: Ist sich Ihre Testbewerberin eigentlich wirklich sicher, dass BWL das richtige Studium für sie war? Unter http://www.talentsconnect.com/schueler haben wir zwei neue Tests veröffentlicht, die nach der Schule eine erste Orientierung bieten. Und wenn ein Studium an einer privaten Hochschule in Frage kommt, dann empfehle ich http://www.date-your-career.de zu testen; hier matcht Talents Connect für die HS Fresenius auf Studiengänge.

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  2. Andre schreibt:

    Hallo Herr Brand,

    super, dass Sie so schnell auf meinen Blogpost reagiert haben! Meine Testerin ist eine echte Bewerberin auf der Suche nach einer Stelle. Ich habe ihr die Infos weitergeleitet und sie wird sich die Tage bei Ihnen melden. Ich bin gespannt, ob doch noch ein paar mehr Stellen passen. Wie schon angesprochen, der Nutzen ergibt sich aus der Plattform erst, wenn man dadurch mehrere Bewerbungen einfach und schnell abschicken kann.

    Ich bin gespannt und werde berichten.

    MFG Andre Stark

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